Es ist Abend, irgendeine Brexit-Abstimmung fängt an. Ich sitze in Jogginghose vor dem Fernseher, habe eine Chipstüte in der Hand. Ich freue mich auf die nächsten zwei Stunden, weil ich weiß, ich werde lachen, aber auch staunend dasitzen. Was genau so unterhaltsam am Brexit-Chaos ist, erfährst du hier.

Die Atmosphäre

Die Brexit-Abstimmungen und die sogenannten „Points of Order“, also im Endeffekt die Diskussionsrunde danach, gehören für mich mittlerweile zum Spitzenentertainment, spannender als jede Netflix-Serie (die Konkurrenz ist hart!).

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Ein Highlight ist die allgemeine Atmosphäre im Unterhaus, nicht zu vergleichen mit dem deutschen Bundestag.

Eine gemütliche, heimische Atmosphäre mit Sitzbänken und in der Luft hängenden Mikrofonen. Trotzdem hat diese sogenannte „Chamber“ eine gewisse Tradition und Altertümlichkeit.

Die Stimmung der Abgeordneten

Eine andere unterhaltende Tatsache sind die Gemüter der einzelnen Abgeordneten. Sobald einer das Wort ergriffen hat und etwas sagt, was in irgendeiner Weise jemandem missfällt oder gefällt, werden alle Register gezogen. Stampfen, Klatschen, Rufen – die generelle Lautstärke im „House of Commons“, (englischer Name für das Unterhaus), ist tendenziell nicht gerade leise.

The Speaker of the House

Der mittlerweile bekannt gewordene Speaker John Bercow ist ebenfalls einer der Abgeordneten, der jeder Abstimmung und vielen anschließenden Diskussionsrunden einen ganz speziellen Charme verleiht.

Mit seinem Markenzeichen, einer bunten, gemusterten Krawatte, von denen er viele zu besitzen scheint, und seinem richterähnlichen Kleid, ist der eigentliche Politiker aus der konservativen Partei zu einem der zentralen Personen um den Brexit geworden. Anders als die britische Premierministerin Theresa May, die durch die Aufnahme der Verhandlungen mit der EU zum Hauptsymbol des Brexits geworden ist, scheint die Mehrheit des britischen Volkes John Bercow sympathisch zu finden.

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Im Gegensatz zu Theresa May, einer sehr polarisierenden Persönlichkeit. Doch Bercow hat noch einige andere unterhaltsame Pluspunkte. Sein Job ist es, den Diskussions- und Abstimmungsverlauf zu koordinieren und zu kontrollieren. Beim Brexit-Chaos, das momentan vor sich geht, kein leichtes Unterfangen. Wie schon gesagt sind die Briten ein lautstarkes Volk und drücken auch mal während einer Rede des anderen ihre Meinung darüber aus. Ein ziemlich normaler Zustand im Unterhaus. Doch sobald es respektlos oder unhöflich wird, greift der Sprecher ein und weist die betreffenden Abgeordneten noch einmal auf die Regeln hin.

Dies hat gewöhnlich zur Folge, dass es wieder ruhig wird.

Die meiner Meinung nach lustigste Aktion an den Abstimmungsabenden ist John Bercow, der bei genereller Unruhe mit einem lauten „ORDEEEEER“ (deutsch: Ordnung) die Ruhe wiederherstellt. Dieser typische Satz hat ihn mittlerweile zum Motiv von tausenden Memes im Internet gemacht und es wurden sogar „Order“-Remixe erstellt.