Stellen Sie sich vor, Sie hießen Dirk Anders, wären in der ehemaligen DDR aufgewachsen, wären mit dem BFC Dynamo Ende der 80er Jahre einige Male DDR-Fußballmeister geworden, bevor sie ins Profigeschäft der Nachwendezeit wechselten. Ihre Stationen dort lauteten unter anderem: VfB Leipzig, 1. FC Kaiserslautern, MSV Duisburg.

Eines schönen Samstagnachmittags wären Sie in einem der zu jener Zeit noch standardmäßig 15.30 Uhr ausgetragenen Bundesligaspiele im Zweikampf an Lothar Matthäus geraten. Ein satter Pressschlag, ein kurzes Wortgefecht, ein heranstürmender Schiedsrichter, der die Situation zu bereinigen versuchte.

„Nummer zehn, kommen Sie her! Ihr Name?“ „Matthäus, das weiß doch jeder“, erklärte der Bayer etwas verstört.

„Ich verwarne Sie“, würde der Unparteiische entgegnen.

Dann fiele sein Blick auf Sie: „Und Sie heißen?“ „Anders!“

„Ja, das weiß ich auch, aber wie?“ „Anders!“

„Ich weiß, dass Sie anders heißen. Sagen Sie mir jetzt endlich, wie!“

Nach dem spätestens vierten „Anders“ hätte der Referee die Nase voll gehabt und Sie via Roter Karte des Spielfeldes verwiesen.

Die feinen Unterschiede des geschriebenen und gesprochenen Worts einmal anders

Vom Fiktiven zum Realen: In England hat sich nun eine nahezu deckungsgleiche Szene zugetragen. Der leidtragende „Anders“ heißt Sanchez Watt (27), „gehörte“ von 2009 bis 2013 dem FC Arsenal, obgleich er die meiste Zeit verliehen wurde. Nun kickt er für Hemel Hempstead Town in der Südstaffel der sechsten Liga (Vanarama National League South).

Am Dienstagabend stand das Duell mit East Thurrock United auf dem Spielplan.

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In einer Szene schlug Sanchez Watt den Ball unerlaubt weg. Der zum Verwarnen herangeeilte Schiedsrichter Dean Hulme fragte getreu unserer Geschichte nach dem Namen und erhielt zu seiner Überraschung auch ein zweites und dritten „Watt“ zur Antwort. Da Buchstaben nicht durch die Luft fliegen verstand er „What?“ (deutsch: Was?) – eine eher harsche Nachfrage eines sich meist überlegen fühlenden Zeitgenossen, wenn dieser etwas nicht verstanden hat oder verstanden haben will.

Das war dem Sportfreund Hulme zu viel des vermeintlichen Hohns. Er stellte Sanchez Watt vom Feld.

Aufklärer und Verurteilter werden nebenbei zu Matchwinnern

Glücklicherweise war jedoch noch Jordan Parkes auf dem Spielfeld, der Kapitän Hemel Hempsteads. Er klärte die Situation auf und hinterließ letztlich auch einen beruhigten Dean Hulme. Der nahm den Platzverweis selbstverständlich zurück.

Jordan Parkes wurde damit endgültig zum Helden des Abends für die Gastgeber, nachdem er bereits das 1:0 (33.) erzielt hatte. Den Treffer zum 2:0-Endstand erzielte zum Abrunden des Ganzen: Sanchez Watt (42.).

Starker RWE kassiert erneut in der Nachspielzeit den Ausgleich.

Achtligaspiel vor fast 1000 Zuschauern im Steigerwaldstadion.

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