Januar 1994: Im Zuge der im Sommer anstehenden Fußballweltmeisterschaft (damals in den USA) versuchte die FIFA das Golden Goal einzuführen, wonach das Team, das in der Verlängerung das erste Tor erzielt, als Sieger vom Platz geht. Als Testfeld dafür schien den Funktionären dabei die im Frühjahr auszutragende Karibikmeisterschaft vorzuschweben.

Wenn, dann gleich richtig: Das zumindest haben sich die Verantwortlichen offenbar gedacht, weshalb sie gleichfalls Gruppenspiele nach einem Unentschieden in die Verlängerung zu schicken ersuchten. Um bei den Dreiergruppen jedoch ein Golden Goal nicht als Nachteil für die eigene Tordifferenz wirken zu lassen (da das Spiel ja sofort beendet ist), sollte es doppelt zählen.

Wer also beim Stand von 0:0 in der Verlängerung gewann, siegte gleich mit 2:0 – ein klassisches organisatorisches Eigentor, was ein absichtliches praktisches Eigentor nach sich ziehen sollte. Aufgrund der notwendigen chronologischen Aufarbeitung dieser Kuriosität dazu später mehr.

Puerto Rico trotz bester Bilanz der regulären Spielzeiten umgehend raus

In Barbados spielten die Gastgeber mit Grenada und Puerto Rico einen Endrundenteilnehmer im Modus "Jeder gegen Jeden" aus. Und unterlagen zum Auftakt der Elf aus Puerto Rico prompt mit 0:1.

Schon im zweiten Gruppenspiel wurde es sportlich absurd: Die Jungs aus Puerto Rico konnten sich nach den neunzig Minuten und dem 0:0 gegen Grenada nicht etwa über ihren vierten Punkt freuen, sondern mussten in die Verlängerung. Was zu erwarten war: Grenada erzielte das Golden Goal und gewann dank der Zwei-Tore-Regel das Duell 2:0.

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Damit war Puerto Rico mit drei Punkten und 1:2-Toren in der Summe bereits jedwede theoretische Chance genommen, bei der Karibikmeisterschaft zu spielen.

Barbados hämmert sich die Kugel in die eigenen Maschen und verteidigt fortan beide Tore

Fußball paradox gab es dann im abschließenden Gruppenspiel zwischen Barbados (bis dahin 0 Punkte, 0:1-Tore) und Grenada (3, 2:0). Logisch: Barbados musste die Partie mit wenigstens zwei Treffern Differenz gewinnen, um das Ticket für die Endrunde zu lösen.

Alles lief für die Platzherren nach Plan, sie führten 2:0 und fieberten dem Schlusspfiff entgegen. Doch in der 83. Minute gelang Grenada der ihm ausreichende Anschlusstreffer zum 1:2. Barbados beriet sich kurz und entschloss sich dazu, den Ball kurzerhand in die eigene Kiste zu „ballern“, um in der maximal 30-minütigen Verlängerung mit nur einem Treffer den benötigten Zwei-Tore-Sieg sicherzustellen. Geplant, getan -- 2:2!

Was dann kam, dürfte selbst den besten Fußballkennern nur in ihren Träumen unter die Augen gekommen sein.

Grenada, das sich sowohl mit einem 3:2-Sieg in 90 Minuten als auch mit einer 2:3-Niederlage für die Karibikmeisterschaft qualifiziert hätte, rannte in der Schlussphase auf beide Tore, während die Gastgeber eisern die Tore verteidigte – mit Erfolg!

Die Taktik des Gastgebers ging vollends auf: Er traf in der vierten Minute der Verlängerung ins richtige Tor und erzielte durch das Golden Goal das 3:2 und 4:2 zugleich. Damit war Barbados qualifiziert.

Die FIFA erkannte ihren Fauxpas und schaffte die Regelung bereits vor der Endrunde der Karibikmeisterschaft wieder ab.

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seitenwechsel hintertorkamerad