Ein Chancenplus, eine weitgehend solide Abwehrleistung, selbst ansehnliche spielerische Momente, gute Gelegenheiten zum 2:0-Siegtreffer: Von alledem kann sich Drittliga-Schlusslicht Rot-Weiß Erfurt nach der bitteren vierten Nachspielminute mitsamt des 1:1-Ausgleichs für einen weitgehend kopflos wirkenden Siebenten aus Unterhaching überhaupt nichts kaufen. Achtungserfolge helfen angesichts des erst 19. Punktes in der Tabelle bei nur noch elf ausstehenden Partien quasi nicht mehr weiter.

Dennoch: Das Lob gebührt einer Mannschaft, die sich trotz des Aufenthalts im finstersten Tabellenkeller keinesfalls aufgegeben hat. Mut- und trostlos wie manch Letzter traten die Kicker des FC Rot-Weiß wahrlich nicht auf.

Ein Schlusslicht ist von Beginn an nirgendwo zu finden

Von Beginn an setzte das Team von Coach Stefan Emmerling im 4-4-2 mit den Spitzen Elias Huth und Tugay Uzan (nach Kreuzbandriss mit viel Engagement beim Comeback) die Oberbayern zeitig unter Druck, zwang sie zu Fehlern. Allen voran den etatmäßigen Ersatzkeeper Lukas Königshofer, der etliche Bälle auf die Tribüne drosch. Das Resultat des forschen Auftritts der Thüringer: Sie erarbeiteten sich die Mehrzahl der Torabschlüsse vor der Halbzeitpause. Das aber brachte ihnen – wie schon bei der 0:1-Niederlage in Jena – nichts ein. Denn offensichtlich kommt die desaströse Bilanz von nun gerade einmal 16 erzielten Treffern aus 27 Partien nicht von ungefähr.

So schoss diesmal Merveille Biankadi drüber (2.), Uzan links neben den Pfosten (9.), Huth in bester Position saftlos in Königshofers Hände (32.).

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Nach einem abgewehrten Schuss Huths jagte Uzan den Ball noch einmal Zentimeter über den Querbalken (36.), kurz vor der Pause fand auch sein Kopfball den Weg wenigstens mal auf das Tor nicht.

Auf der anderen Seite musste Klewin in der Anfangsphase einen Schuss von Sascha Bigalke entschärfen (8.), bei der besten Chance der Hausherren versagten Stefan Schimmer frei vor Klewin die Nerven. Daneben – noch!

Comebacker Uzan krönt eine starke Leistung

Auch in Durchgang zwei war ein Unterschied von satten 24 Tabellenpunkten zumindest zugunsten der Hachinger nicht in Ansätzen erkennbar. Der überaus souveräne Jens Möckel hielt in der Innenverteidigung mit seinen Nebenleuten den Laden zusammen. Auf den Außen boten Kusi Kwame/Luka Odak (rechts) sowie Bastian Kurz/Morten Rüdiger ihren Kontrahenten gegenüber mindestens ebenbürtige Pärchen. Marcel Kaffenberger räumte sicher ab, Liridon Vocaj ließ sich den Schneid im Zentrum nicht abkaufen. Und Biankadi – in Jena noch gescholten, weil er den besser postierten Nebenmann nicht anspielte – machte am Ende eines Konters im Anschluss an eine Hachinger Ecke alles richtig: Sein Zuspiel vollendete der unermüdlich rackernde Uzan zur verdienten Führung (62.) aus elf Metern.

Huth und Rüdiger per Doppelchance (83.) sowie Huth noch einmal via Solo in der Nachspielzeit hätten den Deckel draufmachen können, vielleicht müssen.

So passierte das, was in dieser Saison für die Blumenstädter allmählich zum Standard wird: Der Gegner trifft in der Nachspielzeit. Bis auf Finn Poraths Großchance (80.) hatte Erfurt nichts Zielführendes zugelassen. Und nur wenige Sekunden länger hätte es dabei bleiben müssen, um die gut 200 eigenen Anhänger unter den 1600 Zuschauern im Generali Sportpark glücklich und mit einem hoffnungsvollen Gefühl für die Restsaison die Heimfahrt antreten zu lassen. Dann jedoch tauchte Max Dombrowka im Strafraum auf, legte quer auf den dieses Mal besser vollendenden Schimmer (94.). Hängende Köpfe, Abpfiff, Ernüchterung.

Was bleibt, ist die Erkenntnis, mit derartigen Vorstellungen eigentlich in der dritten Liga konkurrenzfähig zu sein – sowie jene, dass die ausstehenden Spiele zur Neige gehen, die ermöglichen würden 2018/19 weiter in der dritten Liga zu spielen.

Unterhaching – RW Erfurt 1:1

Haching: Königshofer, Winkler, Nicu (73. Porath), Greger (17. Welzmüller), Dombrowka, Taffertshofer, Kiomourtzoglou (59. Hain), J. Müller, Steinherr, Schimmer, Bigalke.

RWE: Klewin, Kwame, Möckel, Kaffenberger, Kurz (88. Brückner), Vocaj, Biankadi, Odak, Crnkic (28. Rüdiger), Uzan (77. Lauberbach), Huth.

T.: 0:1 Uzan (62.), 1:1 Schimmer (94.).

Kreisoberliga: 52-Coach mit viel Lob für Gegner Marbach.

Zwei Kreisoberligisten im Steigerwaldstadion.

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