Das große Erbe des allseits beliebten Jürgen Klopp bei #Borussia Dortmund anzutreten, wäre für keinen Trainer der Welt eine leichte Aufgabe gewesen. Doch unter #Thomas Tuchel hatte man tatsächlich den Eindruck, die Mannschaft habe fußballerisch, aber vor allem taktisch noch einmal einen riesigen Schritt nach vorn gemacht.

Sieht man die Mannschaft von Borussia Dortmund heute auf dem Platz stehen, dann mag man es kaum glauben, dass hier gerade der amtierende DFB-Pokalsieger spielt. Noch nicht einmal ein Jahr ist es her, da konnte man im Halbfinale des DFB-Pokals sogar dem Branchenprimus FC Bayern München nach 1:2 Rückstand noch ein 3:2 abringen.

Ein verdienter Sieg der Borussia, die sich ins Spiel zurück gekämpft hatte und am Ende die überlegene Mannschaft war und verdient ins Finale einzog.

Bereits Wochen vor dem Finale in Berlin brodelte die Gerüchteküche, dass das Verhältnis zwsichen Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke und seinem Trainer Thomas Tuchel zerrüttet sei. Darüber hinaus wurde berichtet, dass es auch innerhalb der Mannschaft Probleme mit dem akribischen Übungsleiter geben solle (Tischtuch zwischen Tuchel und Mannschaft zerschnitten). Nach jedem Spiel rechnete die deutsche Medienlandschaft mit einer Entlassung des Coaches. Die Verantwortlichen der Borussia warteten bis nach dem Pokalfinale, wahrscheinlich auch aus Mangel an Alternativen inmitten der Saison.

Peter Bosz mit starkem Start in due Saison

Es folgte Peter Bosz (Klopp und Tuchel sind Geschichte), der einen fulminanten Saisonstart hinlegte und die ersten fünf Spiele ohne Gegentor blieb.

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Doch es folgte schnell die große Ernüchterung. Zu starr wollte Bosz an seinem geliebten 4-3-3-System festhalten. Gerade gegen starke Gegner war dies jedoch ein Fehler, der sich rächen sollte. In den großen Spielen, jeweils zweimal gegen Real Madrid und die Tottenham Hotspurs und in der Liga gegen Bayern München und RB Leipzig, holte die Borussia nicht einen einzigen Punkt und spielte sich in eine Krise. Das beste Beispiel für die große Verunsicherung der Mannschaft lieferte das 4:4 im Derby gegen den FC Schalke. Wenn es gut lief, spielte sich die Mannschaft in einen Rausch. Die kleinste Unsicherheit führte jedoch dazu, dass das ganze Gefüge in sich zusammenbrach und keine Gegenwehr mehr zu verspühren war. So auch nach dem 1:4 Anschlusstreffer der Schalker. Die Mannschaft brach in sich zusammen, bei jeder Ballberührung konnte man die Angst sehen. Die Konsequenz daraus war, dass Peter Bosz kurze Zeit später seinen Hut nehmen musste. Und das obwohl Bosz aus dem Kreise der Mannschaft immer wieder großen Zuspruch bekam.

Neuanfang mit Stöger

Dass ausgerechnet Peter Stöger (Daten zu Peter Stöger) der neue Heilsbringer beim #BVB sein sollte, war für ganz Fußballdeutschland nur schwer zu glauben. War er doch nur eine Woche zuvor beim 1. FC Köln wegen Erfolgslosigkeit entlassen worden. Mit zehn Bundesligaspielen ohne Niederlage in Folge als neuer BVB-Trainer stellte Stöger einen neuen Vereinsrekord auf und gab der Mannschaft wieder neue Sicherheit. Fünf Siege und fünf Unentschieden sind eigentlich ein sehr guter Schnitt, jedoch kann es nicht der Anspruch von Borussia Dortmund sein, dass man zu Hause mit Glück 2:2 gegen SC Freiburg und 1:1 gegen den FC Augsburg spielt. Ebenfalls mit viel Dusel kam man in der Europa-League gegen Atalanta Bergamo eine Runde weiter. Doch schon in der nächsten Runde war gegen Stögers Landsleute vom FC Salzburg Schluss. In beiden Partien hatte man nicht das Gefühl, dass die Borussia auch nur den Hauch einer Chance hätte. Zu ideenlos und ohne Spielwitz kam die Mannschaft daher. Das 0:6 gegen den FC Bayern München war nur eine weitere Konsequenz aus dem konzeptlos wirkenden Spiel von Trainer Stöger. Sein Vertrag wird am Ende der Saison nicht verlängert, so viel scheint jetzt schon sicher (Stöger-Aus beim BVB intern beschlossen). Die Verkettung von Fehlern zieht sich jedoch über Jahre zurück.

Über Jahre hinweg Fehler in der Kaderplanung

Man bekommt das Gefühl, dass seit dem Weggang von Mario Götze im Jahr 2013 einige Fehler bei der Kaderplanung begangen wurden. Die Suche nach einem geeigneten Nachfolger erwies sich als schwer und langwierig. Am Ende entschied man sich für den unbekanntesten der genannten Kandidaten: Henrikh Mkhitaryan. Der Armenier, zweifelsohne ein begnadeter Fußaller, erstreikte sich bei Schachtar Donezk mehr oder weniger seinen Wechsel zur Borussia. Er benötigte zwei Saisons, um beim BVB so richtig Fuß zu fassen und entschied sich, nach der ersten guten Saison den Verein in Richtung Manchester United zu verlassen. Nicht ohne das übliche Wechseltheater seines berühmten Beraters Mino Raiola. Die weiteren Kandidaten, die als Götze-Nachfolger gehandelt wurden, sind mittlerweile allesamt Weltstars und die tragenden Säulen ihrer Mannschaften: Kevin De Bruyne, Christian Eriksen, James Rodriguez und Isco.

Mit Ousmane Dembele holte man sich später den nächsten Spieler, der sich bei seinem Verein unbeliebt machte und in den Streik trat, um zum BVB wechseln zu können. Was ein Jahr später passierte, ist uns allen noch in guter Erinnerung.

Neben den bereits genannten Leistungsträgern Götze, Mhkitaryan und Dembele ließ man zuvor bereits Nuri Sahin und Shinji Kagawa, später noch Mats Hummels, Ilkay Gündogan und Pierre Emerick Aubameyang, der ebenfalls durch Disziplinlosigkeiten einen Wechsel erzwang, ziehen. Obwohl die Vereinsspitze um Michael Zorc und Hans-Joachim Watzke mehrfach betonte kein Verkaufsverein zu sein, entstand so für viele junge Spieler sicherlich der Eindruck, Borussia Dortmund sei ein gutes Sprungbrett, um sich weiterzuentwickeln und sich für die wirklichen Weltklasse-Clubs zu empfehlen. Zudem fehlte ganz eindeutig das bekannte Machtwort, wenn es darum ging, die Spieler in ihre Schranken zu weisen.

Gleichzeitig entschloss man sich immer wieder, Spieler, die dem Verein den Rücken gekehrt hatten, wieder zurück zu holen, obwohl sie bei ihren Vereinen ganz offensichtlich nicht mehr im Stande waren, ihre einstigen Leistungen abzurufen. So kamen über die Jahre hinweg Nuri Sahin, Shinji Kagawa und auch Mario Götze zurück an ihre alte Wirkungsstätte. Zurück in der Wohlfühloase Dortmund blieben sie auch hier weiterhin blass.

Wohlfühloase Dortmund

In dieser Wohlfühloase liegt das nächste große Problem. Zweifelsohne waren die Jahre unter Jürgen Klopp die erfolgreichsten der jüngeren Vereinsgeschichte. Doch der exzentrische Übungsleiter gab seinen Spielern auch viele Freiheiten, die sie nach seinem Weggang schmerzlich vermissten. Thomas Tuchel stellte als erstes die Ernährung um und achtete penibel auf die Fitness seiner Jungs. Wer nicht auf den Punkt fit war, blieb außen vor. Eine Tatsache, die so manchem Spieler nicht geschmeckt haben dürfte. Der Erfolg gab Tuchel Recht. Schließlich ist er mit einem Punkteschnitt von 2,12 Punkten pro Spiel der beste BVB-Trainer in der Vereinshistorie. Hatten die Spieler ein Problem mit ihrem Trainer, wandten sie sich nicht an ihn persönlich, sondern an die Klopp-Freunde Zorc oder Watzke. Dies führte im Endeffekt dazu, dass Sportdirektor und Geschäftsführer die Spieler in Schutz nahmen und sich regelmäßig gegen ihren Trainer stellten. Die Geschehnisse nach dem Anschlag auf den BVB-Mannschaftsbus zeigten deutlich, dass die sportliche Leitung nicht geschlossen hinter ihrem Trainer stand.

Unter Peter Bosz und Peter Stöger wurden die Zügel dann ganz offensichtlich wieder gelockert, was jedoch dazu führte, dass die Mannschaft nicht mehr 100-prozentig fit und fokussiert wirkte. Zudem scheint die Disziplin innerhalb der Mannschaft, Berichten zufolge, nicht besonders hoch zu sein. Es wurde von Verspätungen berichtet oder dass beispielsweise Raphael Guerreiro Mitarbeiter des BVB des öfteren losschicke, um Einkäufe für ihn zu erledigen (Guerreiro wehrt sich gegen Vorwürfe). Auch wenn er diese Vorwürfe abstreitet, so ganz aus der Luft dürften diese nicht gegriffen sein.

Ganz gleich welcher Trainer im kommenden Sommer das Zepter bei der Borussia übernimmt oder behält, es muss jemand her, der den Spielern deutlich ihre Grenzen aufzeigt und Sanktionen verhängt. Zudem dürfen bei zuküftigen Transfers die charakterlichen Eigenschaften eines Neuzugangs keinesfalls außer Acht gelassen werden. Auf weitere Wechseltheater wie bei Dembele und Aubameyang kann man bei der Borussia sicher verzichten.

Während man beim BVB nun am Scheideweg steht, ob man nicht wieder in der Mittelklasse der Bundesliga versinkt, steht Thomas Tuchel bei den ganz großen Mannschaften dieser Welt auf dem Wunschzettel. Bayern München, Arsenal London, Real Madrid und Paris St. Germain sollen sich mit Tuchel beschäftigt haben, wobei es ihn Gerüchten zufolge nach Paris zieht.