Was seit Wochen zu befürchten war, hat sich nun bewahrheitet: Mit dem KSÍ (Knattspyrnusamband Íslands) hat der erste Verband seinen Boykott für die 2018 in Russland stattfindende Fußball-Weltmeisterschaft bekundet. Ob er damit lediglich der erste Stein eines Domino-Effektes oder ein Einzelkämpfer in der politisch prekären Lage zwischen Russland und dem Westen ist, scheint derzeit einigermaßen offen zu sein. Zumindest aus Deutschland wurde bisher am eindeutigen Nein zu einem etwaigen Boykott festgehalten.

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Spätestens seit der internationalen Krise infolge des mutmaßlichen Giftanschlags auf den russischen Ex-Doppelagenten Sergej Skripal und dessen Tochter Julija im britischen Salisbury und der Welle von Ausweisungen russischer Diplomaten seitens des Westens ist das politische Klima eisig.

Russland reagierte jüngst, wies allein am Freitag 59 Agenten aus 23 Ländern aus.

Island war es auch, das als erstes Land seinen politischen Boykott an der Weltmeisterschaft kundtat – am Osterwochenende folgte nun der sportliche. Unmittelbarer Auslöser soll die Aussage einer Sprecherin des russischen Außenministeriums am Sonntagmorgen gewesen sein. „Ich habe den Eindruck, dass Russland die Weltmeisterschaft wegzunehmen alles ist, was für sie zählt", soll Marija Sacharowa laut BBC gen Westen gesagt haben. Mit einer Welle an Nichtteilnahmen könnte der Druck auch auf die FIFA enorm steigen, in letzter Sekunde den Austragungsort zu wechseln. Es wäre nicht das erste Mal: Die WM in Mexiko 1986 hatte ursprünglich in Kolumbien stattfinden sollen.

Ein Boykott ist selten, aber keinesfalls neu

Boykotts sportlicher Großveranstaltungen sind kein Novum: Die berühmtesten sind die Nichtteilnahmen der USA sowie 41 weiterer Staaten an den Olympischen Sommerspielen 1980 in Moskau sowie die Retourkutsche eines Großteils realsozialistischer Staaten vier Jahre darauf in Los Angeles.

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Da derzeit aber selbst die Briten bis auf ein Nichterscheinen von Mitgliedern der Regierung und der königlichen Familie bei der WM von weiteren Formen eines Boykotts abgesehen haben, könnte Island in der Tat allein ein derartiges Zeichen setzen.

Demnach würde nur genau dieser eine Platz im Teilnehmerfeld frei werden, der möglichst schnell gefüllt werden müsste. In Zürich (Sitz der FIFA) scheint eine schnelle Entscheidung bereits getroffen worden zu sein. Am Kontingent der Dachverbände würde daher nichts verschoben, sodass ein Europäer nachrückt. Da die Kroaten, die hinter Island in der europäischen Qualifikations-Gruppe I Platz zwei belegt hatten, bereits über die anschließenden Playoffs den Weg nach Russland gefunden hatten, werden allem Anschein nach die vier Playoff-Verlierer den freien WM-Platz unter sich ausmachen.

Auftaktgegner Italiens wäre Argentinien

Neben den Iren, Griechen und Nordiren waren im November auch die Italiener gescheitert. Für den vierfachen Weltmeister könnte sich demnach in zwei Playoff-Runden nun doch die Schmach abwenden lassen, die erste Fußballweltmeisterschaft seit 1958 verpasst zu haben.

Ein sportlicher Spaziergang wäre die Teilnahme indes nicht: Erster Gruppengegner in Russland wäre Argentinien, gefolgt von Nigeria und Kroatien.

Prominentester Nachrücker in der Fußballgeschichte war sicher Dänemark, das bei der EM 1992 in Schweden für Jugoslawien eingesprungen war und prompt den Titel holte.

Weshalb ein Team zeitgleich auf des Gegners und das eigene Tor stürmte

Rote Karte wegen des Familiennamens

seitenwechsel hintertorkamerad