Zwei souveräne Erfolge von Titelaspiranten, zwei Last-Minute-Entscheidungen, eine Rarität in Sachen Toremangel, eine hitzige Diskussion um eine nicht stattgefundene Spielverlegung: Auch das Wochenende des 23. Spieltages hatte jede Menge Interessantes auf den Sportplätzen der Fußball-Kreisoberligisten zu bieten. Eine Vorentscheidung im Rennen um den Kreismeister ist aber noch lange nicht in Sicht.

Dabei wirkt der nunmehr sieben Punkte betragende Vorsprung der SG An der Lache/Concordia auf Verfolger Gispersleben – sowie die Differenz von zehn Punkten auf den Dritten Walschleben – auf den ersten Blick wie ein sicheres Polster.

Doch haben Gispersleben zwei, Walschleben gar vier Partien mehr in der Hinterhand. Verzerrter kann ein Tabellenbild gerade einmal zwei Monate vor Saisonschluss wohl kaum aussehen.

Gemeine Lache, böses Alach: Alles eine Sache des Blickwinkels

Ambivalenter konnten die Argumente inmitten der wilden Diskussionen um das bereits nach 20 Minuten abgebrochene Nachholspiel An der Laches gegen nur zu acht angetretene Alacher nicht sein. Die Lache hatte in einem Nachholspiel am vergangenen Freitag 1:0 geführt, als Alach die Spielfähigkeit wegen zu weniger Akteure aufgrund von Verletzungen einbüßte. Während auf der einen Seite der Ärger groß war, nicht mehr für das eigene Torekonto tun zu dürfen, haderte man auf der anderen damit, dass der Termin des Duells nicht ein weiteres Mal gewechselt worden war.

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Die gefühlt halbe Liga beteiligte sich direkt und indirekt am Streitgespräch: Von zweifelhafter Auffassung des Sports sprachen einige, die Gegenredner von unsportlicher Ignoranz gegenüber der personellen Engpässe eines Abstiegskandidaten. Pikant: An der Lache erhielt nunmehr seinen bereits dritten „Walk“ in der Saison; Alach, das sich zwei Tage später ein 1:1 in Vieselbach erkämpfte, bewahrte sich eine konkurrenzfähige Tordifferenz im Abstiegskampf. Bei zwei Zählern Vorsprung auf Empor Erfurt, der derzeit den ersten sicheren Abstiegsplatz belegt, könnten am Ende tatsächlich die Tore entscheiden. Auch die noch gefährdeten Teams des TSV Kerspleben und des VfB Grün-Weiß befinden sich in der Nähe Alachs, was das Torverhältnis betrifft.

Dieses Mal dreifach: Torjäger Kevin Köllner gegen tapfere Hochheimer

Die regulären Partien des Spieltages gingen indes über die volle Distanz – mitunter sogar ohne Zwist in der Frage nach Gewinnern und Verlierern. Im Gegenteil: Der Walschlebener Trainer Andreas Lendrich hatte für Gegner Empor Erfurt lobende Worte parat, wenngleich die Hochheimer bei ihrer 1:4-Auswärtsniederlage fast aussichtslos blieben.

„Es ist eine junge Mannschaft, die nie aufgesteckt hat und sich ihr Tor in der zweiten Halbzeit verdient hatte.“ Mit einer gewissen Leichtigkeit rollten Lendrich diese Worte über die Lippen, hatte doch sein Team bis zum Pausen-4:0 selbst einen soliden und spielerisch ansehnlichen Auftritt hingelegt. Wen wundert es noch, dass Torjäger Kevin Köllner dabei wieder dreimal zuschlug und damit sein persönliches Konto auf 28 Saisontreffer ausbaute?

Der Spitzenreiter kann es auch über 90 Minuten; Gispersleben reichlich respektvoll zum 0:0 in Großrudestedt

Der Zweite in der Liste der besten Schützen wirkte am Wochenende nicht mit. Doch wurde Sebastian Iffarth (20 Treffer) von seinen Mitstreitern An der Laches würdig vertreten. Martin John, Eric Werner (2) sowie Andreas Koppe schossen die Tore beim sicheren, wenngleich vielleicht etwas zu hohen 4:0-Erfolg in Haßleben.

Zwei Punkte eingebüßt hat indes der TSV Motor Gispersleben beim 0:0 in Großrudestedt. Quasi ohne echte Torchance auf beiden Seiten endete das vom gegenseitigen Respekt vor der jeweiligen Offensivstärke geprägte Duell fast zwangsläufig ohne Treffer. Eine Rarität: Lediglich das Stadionspiel im Februar zwischen Marbach und An der Lache endete 0:0. In allen anderen 141 Kreisoberliga-Partien dieses Spieljahres waren Tore gefallen (gut 4,6 pro Spiel).

Strittige Entscheidung leitet Marbacher Sieg-Konter ein

Von einem Torlosremis waren die Marbacher dieses Mal meilenweit entfernt. Die bissigen Stotternheimer forderten auf heimischem Grund den routinierten Sportfreunden alles ab und unterlagen erst durch einen Treffer des eingewechselten Paul Schneiders in der Nachspielzeit 4:5. Auch ein Doppelschlag zum 2:3 und 2:4 des nächsten Marbacher Jokers, Thomas Cyriax (70., 73.), hatte die TSG nicht aus der Bahn geworfen. Gino de Bortoli (75.) und der ebenfalls blutjunge Cornelius Meyer (76.) brachten Stotternheim zum dritten Mal nach einem Rückstand wieder auf Augenhöhe. Verärgert war indes TSG-Coach Uwe Backhaus, der seiner Mannschaft ein starkes, jedoch dem Schiedsrichter ein weitaus weniger gutes Spiel attestierte: „Er hat das Spiel entschieden. Vor dem 4:5 hatte es am anderen Strafraum ein Foulspiel an uns gegeben, das man einfach sehen und pfeifen muss. Ich bin maßlos enttäuscht!“

Tag der Standards im Borntal; in Ingersleben klingelt es hüben wie drüben lebhaft

Ebenfalls mittels Last-Minute-Treffers gewann Blau-Weiß 52/Eintracht seine Begegnung beim FC Borntal – aufgrund der Feldüberlegenheit nicht ganz unverdient. Standardtore prägten dabei das Duell. Hatte Jonathan Bloß einen Freistoß für die Hausherren zum Pausen-1:0 ins Netz gedonnert (41.), so traf jeweils Tino Garbe zunächst vom Punkt (71.) als auch ebenfalls per – wenngleich eher raffinierten – Freistoß (90.).

Torreich ging es – wie beinahe an jedem Wochenende – in einem Ingerslebener Spiel zu. Gegen Kerspleben genügte für die auf ein 4-3-3 setzende Fortuna-Offensive eine zeitige 2:0-Führung nicht, weil in der Defensive einfach zu viele Fehler gemacht wurden. Kerspleben hatte bis zum Pausentee das Spiel gedreht. Im insgesamt attraktiven Duell markierte Marco Dolkowski per Freistoß den Endstand zum 3:3 (83.).

Walschleben – Empor Erfurt 4:1

Walschleben: Lohfeld, Duske, M. Möller (46. Jauch), Gerke, T. Möller, Köllner, Döring (54. G. Fischer), Misailidis (76. Schuchardt), Armstroff, Ehrich, C. Fischer.

Empor Erfurt: Hendrich, Eichner, Schröder, Brandt, Gottfried, Schmelcher, Lohfink, Wawrzik, Kropp, Mohamed (77. Krause), Platz.

T.:1:0, 2:0 Köllner (27., 35.), 3:0 Duske (40.), 4:0 Köllner (45.), 4:1 Schröder (67.).

FC Borntal – Blau-Weiß 52/Eintracht 1:2

Borntal: Köhler, Schneider, Ezold (82. Nolte), Fuß, Paul, Rast, Wagner, Omeirat (71. Zeh), Wittke, Bloß (76. Röger), Bobzin.

BW 52: Hocke, C. Albrecht, F. Albrecht, Ulrich, Hamann (51. Garbe), Felix, Hubert (76. Stötzer), Rogowski (65. Dudek), Ankaoglu, Volkmar, Seidenstücker.

T.: 1:0 Bloß (41.), 1:1, 1:2 Garbe (71. FE, 90.).

Haßleben – An der Lache/Concordia 0:4

Haßleben: Straube, Kirchner, Hertel, Sello, D. Kraft, Ruhrig (79. Michaelis), Markert, Kämmerer (58. Stepputat), Schiller, Hopfe, Kutscher.

Lache: Fischer, Oswald, Hohmann, Krause, Co. Weis, Blau (65. Schwarz), Koppe, Chr. Weis, John (79. Miller), Werner, Rümpler (76. Beier).

T.: 0:1 John (12.), 0:2, 0:3 Werner (30., 57.), 0:4 Koppe (89.).

Großrudestedt – Gispersleben 0:0

Großrudestedt: Baßler, Kirbst, Bohn, P. Hesse, Kunold, Quatuor, Zellmann, Berger, Menge, Rödiger, Herold.

Gispersleben: Köttig, Preuße (72. Ackermann), M. Reißmann, Hoffmann, Le Van, Reichl (64. Dziony), Urbach, Schenke, Langer, Reichmann (84. Decker), Gorsboth.

Stotternheim – Marbach 4:5

Stotternheim: Salomon, Lembke (74. Schweinfest), Meyer, Stauch (63. Sieber), Dalchow, Rätz, G. de Bortoli, Picht (46. Ellinger), Holzapfel, Jüngling, Brüheim.

Marbach: Höfler, Hermann, Iffarth, Helzig (59. Schneider), Scheler (59. Cyriax), Catterfeld, Franke (74. Rödiger), Janke, Hebestreit, Linke, Klose.

T.: 0:1 Janke (5. FE), 1:1 Meyer (28.), 1:2 Linke (36.), 2:2 Ellinger (55.), 2:3, 2:4 Cyriax (70., 73.), 3:4 G. de Bortoli, 4:4 Meyer (76.), 4:5 Schneider (90.).

Ingersleben – Kerspleben 3:3

Ingersleben: Teubner, Luley (46. Schöler), Eichner, Wiegand, Heinemann, Scholz, Hartung, X. Reichardt (78. Erfurt), Dolkowski, Krähmer, Wildner (71. Legge).

Kerspleben: Kachel, Balven, C. Kühn, Herzig, Pressler, M. Kühn, Sander, Ahmadi (56. Pa. Beckert), Rezai (78. Pe. Beckert), Brendel (56. Brössel), Müller.

T.: 1:0 Heinemann (2. FE), 2:0 Dolkowski (11.), 2:1 Herzig (17. FE), 2:2 Sander (28.), 2:3 Rezai (37.), 3:3 Dolkowski (83.).

Vieselbach/Azmannsdorf – Alach 1:1

Vieselbach: Schröter, T. Vogler, C. Bienzeisler, M. Glatzel (58. J. Bienzeisler), Sedlacek, Winkelmann, Ed. Hörcher, Dinger, Ruby, Abendroth (83. Gewinner), Reiber (46. Gustke).

Alach: Lange, Seifert, Ziegler, Hoyer, Mile, Lehmann, Olbrisch, Seeliger, Kiepfer, F. Blasse, Methfessel.

T.: 1:0 Dinger (76.), 1:1 Methfessel (83.).

Kreisoberliga, 22. Spieltag

Kreisoberliga, 21. Spieltag

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