Es mutet kurios an: Trotz eines 3:3 im Spitzenspiel gegen An der Lache/Concordia hat der aktuelle Zweite der Fußball-Kreisoberliga untermauert, weshalb er zurecht das bislang beste Team der Saison ist. Der TSV Gispersleben beherrschte trotz des Remis den partiellen Spitzenreiter fast über die gesamte Spielzeit und wahrte sich mit zwei Spielen und zwei Punkten Rückstand die Chance, mit einem Erfolg am Ostermontag beim SV Alach (14 Uhr) wieder die Tabellenführung zu übernehmen.

„Auch deshalb können wir mit dem Unentschieden ganz gut leben“, sagte der letztlich zufriedene Coach Tobias Geißler nach der Partie, in der seine Elf einen 0:3-Rückstand im zweiten Durchgang zumindest noch egalisierte.

„Wir waren spielerisch die bessere Mannschaft, haben viel investiert und trotz des ungünstigen Spielverlaufs unsere Linie nicht verloren.“

Von Beginn an setzten die spritziger, zweikampfstärker und geistig frischer wirkenden Hausherren An der Lache unter Druck. Im letzten Drittel jedoch stand der Gast zunächst noch stabil; zudem konnte er sich auf seinen Besten verlassen, Torwart Thomas Fischer.

Noch besser für die Elf von Trainer Carsten Helzig: Bis zur 54. Minute kam sie zu einer 3:0-Führung fast wie die Jungfrau zum Kind. Einen diagonalen Schlag von Markus Hohmann konnte Gispersleben nicht verteidigen, Sebastian Iffarth nahm den Ball am linken Strafraumeck an und traf aus der Drehung zum 0:1 (7.).

Nach dem Seitenwechsel spülte nicht nur der einsetzende Regen nahezu alle realistischen Chancen Gisperslebens davon.

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Gleiches Bild wie beim ersten Tor, nur seitenverkehrt: Dieses Mal hatte Christopher Schwarz von links geflankt, Martin John das Spielgerät in der rechten Strafraumhälfte angenommen und aus der Drehung im langen Eck versenkt (52.). Der fantastische Freistoß in den Winkel von Christopher Weis schien die Partie kurz darauf vorentschieden zu haben (54.).

Für Sicherheit bei der Lache sorgte allerdings auch der klare Vorsprung nicht – im Gegenteil: Querschläger und Fehlpässe stapelten sich zunehmend. Selbstbewusst trugen die Gisperslebener, von den deutlich ihren Gegenspielern überlegenen David Schönherr, Tom Dziony und Mathias Le Van unentwegt angetrieben, einen druckvollen Angriff nach dem anderen vor.

Die hochverdienten Treffer: Thomas Hoffmann hatte an der linken Eckfahne emsig nachgesetzt, seinen Flankenball brachte Dziony im Nachsetzen per Kopf im Kasten unter – 1:3 (59.). Nach einem zu kurz abgewehrten der unzähligen Standards nahm Schönherr aus 20 Metern genau Maß – 2:3 (66.). Und infolge eines perfekt ausgespielten Konters über Tobias Reichmann und Patric Schenke traf der beste Mann auf dem Platz erneut, David Schönherr – 3:3 (73.).

„Nach diesem Kraftakt ging uns verständlicherweise etwas die Puste aus“, befand Trainer Geißler. Und so hatte auf der anderen Seite Martin John nach einem „Luftloch“ Bastian Urbachs im Eins-gegen-eins noch die dicke Chancen zum Auswärtssieg (84.), blieb jedoch zweiter Sieger gegen Martin Hagenbring.

Erst rangerückt, dann rausgerutscht

Nutznießer der sogenannten Punkteteilung war Walschleben, das dank eines 4:1-Erfolges bei Schlusslicht Haßleben auf Rang drei kletterte und seinen Rückstand auf die Referenzgröße Gispersleben auf fünf Punkte (bei einem Spiel mehr in der Hinterhand) reduzierte.

Die Freude darüber wich jedoch keine 48 Stunden später purer Ernüchterung: Im Kreispokal-Achtelfinale schied das Team von Coach Andreas Lendrich ausgerechnet im Derby beim Rivalen aus Gebesee (Kreisligist) im Elfmeterschießen aus und bescherte sich damit unfreiwillig einen spielfreien Ostermontag, an dem das Viertelfinale eingeplant war.

Zurück zur Kreisoberliga, nun jedoch zum Abstiegskampf: Während also die Haßlebener auf ihren insgesamt zwei erzielten Pünktchen verharren mussten, kämpften gleich drei Teams vehement gegen den sicheren zweiten Abstiegsplatz. Der Vorletzte Alach setzte sich dabei beim Drittletzten Empor Erfurt 3:1 durch und verkürzte den Rückstand auf zwei Zähler.

„Nach einer ausgeglichenen ersten Halbzeit haben wir einfach zu viele Fehler gemacht und Alach zum Toreschießen eingeladen“, ärgerte sich Empor-Trainer Olaf Gottfried, der aufgrund des Personalmangels reichlich neue oder gar besonders altbekannte (teils schon in Vergessenheit geratene) Namen auf's Spielfeldformular schrieb. „Eines der schwächsten Kreisoberliga-Spiele, die ich seit Jahren gesehen habe“, urteilte Gottfried vielsagend.

Raus aus dem Keller, ab in den Urlaub

Weitaus begeisterter war Ralf Bockenauer vom Auftritt seiner Kersplebener beim überraschend hohen 6:1 gegen den FC Borntal: „Die Jungs haben sich perfekt an die taktischen Vorgaben gehalten, sehr gut gestanden und im Umkehrspiel eiskalt zugeschlagen. Vor allem die Offensivkräfte Nico Sander, Hossein Ahmadi und Leonhard Herzig kann man aus dieser tollen Mannschaft herausheben.“

Dreifach süßer Kantersieg: Bockenauer war selbst zwei Jahre lang Trainer des FC Borntal, verschaffte sich mit seiner Elf ein Polster im Abstiegskampf und verabschiedete sich bestens gelaunt in seinen verlängerten Osterurlaub.

Gispersleben – An der Lache/Concordia 3:3

Gispersleben: Hagenbring, M. Reißmann, Hoffmann (63. Preuße), Schönherr, Le Van, Decker (56. Reichl), Urbach, Schenke, Dziony (85. Ackermann), Reichmann (90. GR), Gorsboth.

Lache: Fischer, Oswald, Hofmann, Co. Weis, Blau, Koppe, Beier (68. Rümpler), Chr. Weis, Iffarth, Schwarz, John.

T.: 0:1 Iffarth (7.), 0:2 John (52.), 0:3 Chr. Weis (54.), 1:3 Dziony (59.), 2:3, 3:3 Schönherr (66., 73.).

Kerspleben – FC Borntal 6:1

Kerspleben: Reißmann, Balven, C. Kühn (58. Rezai), Hewett (56. Mittas), Herzig, Pressler, Sander, Zielke, Ahmadi, Brendel, Tolksdorf (73. Müller).

Borntal: Köhler, Schneider, Ezold, Fuß, Zeh, Rast, Sell, Wagner, Adams (55. Westhaus), Omeirat (58. Muhidin), Bobzin.

T.: 1:0 Ahmadi (13.), 2:0, 3:0 Sander (50., 52.), 4:0 Schneider (57. ET), 4:1 Rast (77. HE), 5:1 Rezai (90.), 6:1 Mittas (90.+2 FE).

Empor Erfurt – Alach 1:3

Empor: Hendrich, Eichner, Bindernagel, Brandt, Gottfried, Lohfink, Wawrzik, Mohamed, Platz, D. Krause, Potratz (72. Kropp).

Alach: F. Diemann, D. Blasse, Vogler (36. Gniewitz), Hoyer, T. Krause. Lehmann, Rüster, Methfessel (78. Mile), Seeliger, F. Blasse, Seifert.

T.: 0:1 Seifert (52.), 0:2, 0:3 Gniewitz (60., 62.), 1:3 Gottfried (68.).

Haßleben – Walschleben 1:4

Haßleben: Straube, Kirchner, Hertel, Quittschreiber (53. Bohn), D. Kraft, Brück, Ruhrig (86. Michaelis), Kämmerer (74. Stepputat), Schiller, Hopfe, Kutscher.

Walschleben: Lohfeld, Wüsten, M. Möller, Gerke (65. Schuchardt), T. Möller, Köllner (63. Funke), Döring, Jauch, Grabe (73. Sommer), Armstroff, C. Fischer.

T.: 1:0 Brück (16.), 1:1 Grabe (37.), 1:2, 1:3, 1:4 Köllner (45. FE, 54. FE, 57.).

Iffarth: Der fünfte Fünffache der Saison

Einzigartig: Weshalb ein Team zeitgleich auf des Gegners und das eigene Tor stürmte

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