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Nach der 1:2-Niederlage am letzten Samstag gegen Österreich musste Joachim "Jogi" Löw sich entscheiden, wen er in den finalen Kader für die Weltmeisterschaft in Russland beruft. Am heutigen Montag verkündete er auf einer Pressekonferenz den endgültigen Kader - und überraschte dabei mit zwei Personalien, die Experten so nicht erwartet hatten.

DFB-Kader: Mit Trapp, Rudy und Brandt, aber ohne Neuling Petersen

Als es um das 23-köpfige Aufgebot ging, mit dem der Weltmeister-Titel verteidigt werden soll, wurden folgende Spieler nominiert:



Die erste Überraschung gab es bereits auf der Torhüter-Position: Hier darf Kevin Trapp anstatt Bernd Leno mit zur WM.

Dies ist zum einen verwunderlich, da Leno im Gegensatz zu Trapp deutlich mehr Spiele während der Saison absolviert hat (insgesamt 38 Einsätze bei Bayer 04 Leverkusen, dagegen nur 13 Einsätze für Trapp bei Paris Saint-Germain). Zum anderen nominiert Löw damit zwei Torhüter ohne sonderlich viel Spielpraxis. Denn auch Manuel Neuer kommt aus einer Saison ohne viele Einsätze, erst bei Test gegen Österreich stand der Welttorhüter nach seinem Mittelfußbruch vor über neun Monaten wieder auf dem Platz. Trotz der langen Pause dürfte Neuer als Nummer 1 vor Marc-André ter Stegen gesetzt sein.

Weitere Überraschungen folgten im Mittelfeld: Auch Sebastian Rudy darf mit nach Russland fahren, ebenso wie Julian Brandt.

Beide galten als Wackelkandidaten, dennoch setzt Jogi Löw auf den Bayer und den Leverkusener. Erwischt hat es dagegen Shootingstar Leroy Sané, der nicht nominiert wurde. Nach einer bärenstarken Saison waren viele von einer Nominierung des ManCity-Profis ausgegangen. Löw sah das anders und setzt auf den offensiven Außenbahnen dagegen auf besagten Julian Brandt, Confed-Cup-Kapitän Julian Draxler, Allzweckwaffe Thomas Müller und Rückkehrer Marco Reus, der nun endlich auf seine erste WM-Teilnahme nach zahlreichen Verletzungen vor den letzten Turnieren hofft.

In der Verteidigung sowie im Angriff beruft der Bundestrainer dagegen bewährte Kräfte und wagt keine Experimente. Neuling Nils Petersen muss ebenso nach Hause fahren wie der junge Leverkusener Jonathan Tah. Beide standen bei vielen auf dem Streichzettel, die Alternativen sind einfach erfahrener und haben ein (aktuell noch) höheres Standing bei Jogi.

Erfahrung und Teamspirit - die Vorgaben für die WM

Auffällig ist bei der Auswahl der 23 Spieler schon etwas: Weder gibt Löw einem Neuling eine Chance, noch ist eine gute Saison im Verein ein Freifahrtsschein.

Der Fokus liegt viel mehr auf dem gemeinsamen Zusammenhalt des Teams, ein Unterordnen in das Mannschaftsgefüge. So überragend ein Sané bei Manchester City als Stammspieler gespielt hat (und damit einen Marktwert von fast 100 Millionen erreicht hat, einer der wertvollsten Spieler dieser WM [VIDEO]), so durchwachsen waren seine Auftritte im DFB-Dress, im Gegensatz zu einem Brandt, Draxler oder Reus. Selbiges gilt ähnlich auch für Bernd Leno, auch dieser spielte eine deutlich bessere Saison als Konkurrent Trapp - und dennoch hat PSG-Mann Trapp den Vorzug erhalten. Bei beiden scheint der Bundestrainer davon auszugehen, dass sie weniger Unruhe stiften und neben dem Platz den Rest der Mannschaft voll unterstützen, sollten sie keine Spielzeit bekommen. Dies würde auch erklären, warum er bereits bei der Nominierung des vorläufigen WM-Kaders auf den polarisierenden und selbstbewussten Sandro Wagner verzichtet hat.

Die vorgegebene Marschroute ist damit klar: Der Titel soll als Team verteidigt werden, mit Spielern die Erfahrung haben und die sich in der Nationalmannschaft bewiesen haben. Ob es der Mannschaft gelingt, steht in den Sternen. [VIDEO] Aber eines ist klar, die Mission Titelverteidigung soll -wie der aktuelle Hashtag des DFB-Teams- nach einem bestimmten Muster durchgeführt werden: ZUSAMMEN (#ZSMMN).