Salah wohl wieder fit

Gestern ging ein Foto um die Welt, das großes Aufsehen erregt. Es geht um den Senkrechtstarter der Saison, den Ägypter Mohamed Salah [VIDEO], der für den FC Liverpool in diesem Jahr 44 Pflichtspieltore in 52 Einsätzen erzielt hat und vor Kevin de Bruyne zum Spieler des Jahres der Premier League ausgezeichnet worden ist. Während die ägyptische Delegation wie die meisten Fußballfans nach seinem verhängnisvollen Zweikampf mit Sergio Ramos im Champions-League-Finale gegen Real Madrid Ende Mai um seine WM-Teilnahme gezittert hat, sieht es wohl nun so aus, als ob er rechtzeitig auflaufen könne. Doch gestern zeigte er sich am Rande des Trainings der ägyptischen Mannschaft mit dem tschetschenischen Oberhaupt Ramsan Kadyrow, welcher weltweit polarisiert.

Bild mit umstrittenem Machthaber

Besagte Person ist seit elf Jahren Staatsoberhaupt der autonomen Teilrepublik Tschetschenien, ein ehemals von Kriegen zerrüttetes Land, das sich seit Anfang des 21. Jahrhunderts von den Unruhen erholt. Ihm wird von diversen Menschenrechtsorganisationen die Verfolgung von Homosexuellen, Ermordung von Oppositionellen und die Aushöhlung des Rechtsstaats vorgeworfen. Nach dem Tod seines Vaters übernahm der 41 Jahre alte Kadyrow das Regieren und wird dabei tatkräftig von Wladimir Putin unterstützt, denn der Wiederaufbau Tschetscheniens wird durch den russischen Zentralstaat von Moskau aus finanziert. Das sehr gute Verhältnis zwischen Putin und Kadyrow rührt aber auch davon, dass der russische Präsident von Kadyrovs Propaganda profitiert.

Religion als wichtige Komponente

Kadyrow ist bekennender Muslim und gehört der islamischen Richtung des sunnitischen Sufismus an, was ein nicht zu unterschätzender Faktor für die Wahl des ägyptischen WM-Quartiers ist, da diese Fraktion die mehrheitliche Glaubensgruppe in Ägypten abbildet.

Kadyrow werden aber auch gute Beziehungen zu Saudi-Arabien nachgesagt, was für Putin von großer Bedeutung ist, da sie sich mehr zu den USA orientieren und bspw. Russlands Militäreinsatz in Syrien aufseiten Assads kritisch sehen.

Mit Mohamed Salah verbindet Kadyrov also nur die Religion und die Liebe zum Fußball. Die FIFA ignoriert wenig überraschend ihre eigenen Menschenrechtskonventionen und ließ Grosny trotz aller Kritik als Quartier-Standort zu. Die Wahl Tschetscheniens als Vorbereitungs-Standort der Ägypter ist insofern nachvollziehbar, da man sonst nirgendwo anders in Russland solch uneingeschränkten Zugang zu einer riesigen Moschee und Halal-Lebensmitteln hat. Kadyrow hat zu Beginn seiner Amtszeit die Scharia eingeführt und stellt diese sogar über die russischen Gesetze, was Putin bekanntlich duldet.

Inszenierungen fester Bestandteil

Für Kadyrow, der Salah angeblich nur für dieses eine Bild extra aus seinem Hotel holen ließ, sind Propaganda-Aufnahmen mit bekannten Sportlern nichts Unübliches.

So ließ er sich bereits mit den Boxstars Floyd Mayweather und den Klitschko-Brüdern ablichten. Außerdem veranstaltete er mehrfach Fußballspiele gegen Allstars, wodurch er sogar in einem Team mit Lothar Matthäus oder Ronaldinho spielte. Die Sportler lassen sich zwar politisch missbrauchen, aber dafür wohl auch gut bezahlen. Kadyrov, der auf YouTube ein Hit wegen mehrerer unnachahmlicher Volkstänze ist, wird von der WM wahrscheinlich auch am meisten profitieren.