Wenn am Dienstag die Finanzminister der EU-Mitgliedsländer drei Staaten von ihrer Schwarzen Liste mit Steueroasen streichen, ist Bahrain unter ihnen. Dies ist das Resultat eines andauernden Reformprozesses, durch den sich das Land immer mehr den europäischen Standards annähern wird. Bahrain hat damit einen großen Schritt gemacht, und es ist völlig klar, dass sich die Wirtschaft freuen wird – die bahrainische als auch die deutsche.

Es ist eine Tatsache, dass vor allem auch deutsche Wirtschaftsvertreter stets ein Interesse an dem Königreich am Persischen Golf gehegt haben. Allerdings ist dieses Interesse keineswegs einseitig, denn in den vergangenen Jahren hat die Regierung in Manama begonnen, gezielt deutsche Unternehmen für Investitionen im Land zu begeistern.

Der Grund: das Land hat einen wirtschaftlichen Reformkurs unternommen, um unabhängiger von fossilen Brennstoffen wie Rohöl und Erdgas zu werden. Bahrain versucht seinen Wohlstand dauerhaft für die Zeit zu sichern, wenn diese Rohstoffreserven aufgebraucht sein werden.

Deutsche Firmen zieht es nach Bahrain

Zu diesem Zwecke setzt das Königreich auf den Ausbau von neuen Wirtschaftssektoren, vor allem in den Bereichen High-Tech-Light-Manufacturing, Lebensmittelverarbeitung, Luft- und Raumfahrt, professionelle Dienstleistungen sowie Finanzdienstleistungen. Deutschland spielt bei diesem Vorhaben eine besondere Rolle, denn es genießt einen guten Ruf aufgrund der hohen Leistungsfähigkeit der deutschen Industrie und Technologie. Und Bahrain braucht deutsche Technologie und Know-how für die Diversifizierung der Wirtschaft.

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Deshalb war Bahrain stets darauf bedacht, ein geschäftsfreundliches Umfeld zu bieten, um internationale Investitionen in eine Vielzahl von Sektoren anzulocken – darunter immer mehr auch aus der Bundesrepublik.

Die Resonanz aus der deutschen Wirtschaft bezüglich dieses Umwerbens war, wenig überraschend, äußerst positiv. Um die Entwicklung voranzutreiben und ausländischen Firmen positive Anreize zu geben, wurde die Wirtschaftspolitik auf den globalen Business-Sektor getrimmt. So wurde zum Beispiel auf die Anforderung verzichtet, nur in Partnerschaft mit lokalen Akteuren ein Unternehmen oder eine Niederlassung gründen zu können. Dies wurde vor allem von deutschen Firmen begrüßt. Hinzu kommt die geografische Lage mit enger infrastruktureller Einbindung zu den restlichen Staaten des Persischen Golfs, der Bahrain als Ausgangspunkt ebenfalls attraktiv macht.

Großunternehmen wie BASF und Siemens haben bereits signifikante Investitionen in den Golfstaat getätigt, aber vor allem der deutsche Mittelstand wird von der bahrainischen Regierung umworben.

Er gilt als Knotenpunkt für technologisches Wissen und wird dementsprechend als Eckpfeiler der wirtschaftlichen Entwicklung angesehen – ein Hauptanliegen des bahrainischen Diversifizierungsprozesses. In der Tat haben kleinere deutsche Firmen ihren internationalen Wettkampfvorteil in Bahrain erkannt. Derzeit sind mehr als 50 deutsche Firmen mit Vertretungsbüros und Projekten in Bahrain tätig. Schließlich sind solche wirtschaftlichen Reformbemühungen nicht nur mit materiellem Austausch, sondern auch immer enger mit Themen wie Berufsausbildung und Weiterqualifizierung verbunden. Und gerade hier verfügt Deutschland über einen weltweit einzigartigen Erfahrungsschatz.

Dass Bundeskanzlerin Angela Merkel schon im Jahr 2010 auf eine Staatsbesuch-Tour in der Golfregion ging, war natürlich auch kein Zufall. Berlin und sein global exzellent verbundenes Wirtschaftsgremium hatten schnell erkannt, dass die Wirtschaftspläne der Golfstaaten eine Goldgrube für Deutschlands Firmen darstellten. Auf ihrer Reise wurde sie deshalb von einer hochrangigen Wirtschaftsdelegation begleitet, um die Weichen für intensivere politische und ökonomische Kooperation zu stellen.

Wachsende Investitionen

So haben sich die Investitionen in das Land seit Jahren stetig erhöht. Einem Bericht der Arab-German Chamber of Commerce and Industry (Ghorfa) zufolge, betrugen die Direktinvestitionen im Jahr 2016 einen Wert von 280 Mio. Dollar, eine Verdoppelung im Vergleich zu den 142 Mio. Dollar von 2015. Dabei fielen drei Viertel der Gelder auf den Tourismussektor, 15 Prozent auf das produzierende Gewerbe und Logistik sowie neun auf die Finanzbranche. Das Wirtschaftswachstum ist immer noch hoch. 2017 war der private Nicht-Öl-Sektor sogar der Hauptwachstumsmotor der bahrainischen Wirtschaft. In Anbetracht eines Wachstum von fast fünf Prozent in den ersten neun Monaten des Jahres 2017, schlussfolgerte das Bahrain Economic Development Board (EDB), dass der Diversifizierungsprozess weitgehend erfolgreich verlaufen würde. Zweifellos ist dies wohl auch zum Teil Deutschlands Verdienst.

Der deutsche Mittelstand hat sicher viel vom bahrainischen Reformkurs profitiert und das Potential scheint noch längst nicht ausgeschöpft. Das Annähern an europäische Standards in diversen Wirtschaftssektoren wird das Wirtschaftswachstum und das internationale Interesse am bahrainischen Markt vermutlich noch Verstärken und mehr Unternehmen aus der EU anlocken. Vor allem der technologische Austausch zwischen Deutschland und Bahrain ist etwas, das sich weder das Königreich, noch deutsche Firmen nehmen lassen werden.